Seit der Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland hat sich die Stellung der Pflanze insbesondere im medizinischen Bereich stark verbessert. Während es zuvor für kranke Menschen recht schwierig war, über einen aufgeschlossenen Mediziner mittels BtM-Rezept an die gewünschte Arznei zu gelangen, reicht nun eine gewöhnliche Verschreibung. Seitdem hat sich vor allem auch im Internet die Telemedizin verbreitet und eine ganze Menge spezialisierter Portale haben sich auf die natürliche Medizin konzentriert.
Da sich auch aus diesem Grund die Anzahl von Cannabispatienten samt dazugehöriger Behandlungen stark erhöhte, sprechen Kritiker der neuen Umgangsform mit Cannabis von Missbrauch des Systems seitens Genusskonsumenten. Es wird daher auch in der Politik darüber nachgedacht, zukünftig die Regeln wieder zu verschärfen, was den Zugang via Online-Rezept oder die Lieferungen von Cannabis erschweren würde.
Noch ist es nicht ersichtlich, wie beispielsweise der neue Drogenbeauftragte der Bundesregierung auf die bevorstehenden Ergebnisse eines wissenschaftlichen Zwischenberichtes bezüglich der Auswirkungen der Legalisierung reagieren wird, doch klingt es bereits durch, dass eine Veränderung der Situation angestrebt wird.
Dies hätte immense Auswirkungen auf viele tausende Personen, die auf die Angebote von medizinischen Cannabisportalen angewiesen sind. Wie viele Menschen aktuell von der vereinfachten Versorgung über das Internet profitieren, zeigen Daten eines digitalen Anbieters, der über seine Kundschaft in Nordrhein-Westfalen (NRW) und die steigende Nachfrage ein bisschen Auskunft gibt.
60 Prozent bestellen aufgrund ihres abgelegenen Wohnortes
Wie das deutsche Gesundheitsportal berichtet, zeigen sich zumindest bei dem Online-Anbieter GreenMedical deutliche Unterschiede bezüglich der Lebensumstände seines Kundenstammes. So wird davon gesprochen, dass eine Mehrheit von 60 Prozent auf die digitale Betreuung und die verfügbaren Bestelloptionen zurückgreift, da sie in ihrem Wohnort ansonsten Schwierigkeiten hätten, unkompliziert an die Cannabismedizin zu gelangen, die ihre Leiden lindert.
Gäbe es diese Versorgungsform nicht, müssten Bewohner ländlicher Landschaften oft weite Wege und eine geringe Versorgungslage in Kauf nehmen, die die hilfreiche Therapie dann einschränken würde. Seit Gründung der Plattform, hätten alleine in Nordrhein-Westfalen 17.493 erwachsene Menschen eine Behandlung über das Portal in Anspruch genommen, sodass ersichtlich wird, wie gewünscht derartige Angebote aktuell sind. NRW stehe damit betreffend digitaler Cannabisbehandlungen an zweiter Stelle in Deutschland.
Nur in Bayern, wo der Konsum von Cannabis von der größten politischen Kraft stets und auch immer noch sehr kritisch betrachtet wird, ist die Anzahl der Nutzer noch größer. Im bayrischen Freistaat, wo viele Menschen in ländlichen Regionen wohnen, beläuft sich die Zahl der auf Telemedizinischen zurückgreifenden Patienten auf 18.522 Personen. Tendenz steigend.
Fast 150.000 Kontakte vermittelt
Da das genannte Unternehmen eine unkomplizierte Form der Cannabistherapie über das Internet ermöglicht, stieg die Nachfrage in der deutschen Bevölkerung deutlich. Wie bekannt ist, erhöhte sich die Menge importierten Cannabis zwischen April 2024 und April 2025 um das Dreifache. In diesem Zeitraum verbrauchten die registrierten Patienten im Land ganze 100 Tonnen der natürlichen Medizin in Blütenform.
Ermöglicht ist dieser gestiegene Einsatz eben auch durch Online-Plattformen worden, die „sichere und regelkonforme Therapiewege (…) schaffen“ möchten und dabei die immer noch oft herrschende Stigmatisierung der Patienten aus dem Weg räumen wollen, wie Christoph Neumeier, Gründer und Managing Director von GreenMedical, erklärt. Er sieht weiterhin oft noch zu hohe Hürden bei der Versorgung, „gerade bei chronischen Erkrankungen wie Schmerzstörungen“, die mithilfe der Online-Anbieter von Cannabismedizin jetzt jedoch ein wenig einfacher übersprungen werden können.
Wohl auch deshalb konnte das Unternehmen bereits in den letzten zwölf Monaten über 140.000 Arzt-Patienten-Kontakte auf dem digitalen Weg vermitteln.
Vorteile des Modells
Auch wenn die steigenden Patientenzahlen und das damit verbundene Importwachstum von Cannabis von meist konservativen Kritikern als Beweis für das Missbrauchspotenzial der Telemedizin gesehen werden könnte, so darf bei den Überlegungen nicht vergessen werden, welch große Menge potenzieller Kundschaft aufgrund dieser Versorgung dem Schwarzmarkthandel verloren geht.
Dass dazu dank regulierter medizinischer Behandlungen für die Dienste der Portale sowie dem legalen Vertrieb der Staat ansonsten verlorene Steuergelder einnehmen kann, zeigt einen weiteren Vorteil dieses Modells. Welche negativen Auswirkungen eine mögliche scheinende Regelverschärfung für das Importgeschäft, den Geldfluss in Apotheken und auch damit verbundene Arbeitsplätze hätte, steht dazu auf einem anderen Blatt und muss noch genauer analysiert werden.
Am meisten würden darunter jedoch die auf ihre Medizin angewiesenen Patienten leiden, die sich seit der Teillegalisierung nun immer häufiger auf die digitalen Behandlungen und die postalische Versorgung verlassen, was aktuell somit wohl das größte legale Geschäftsmodell mit Cannabis in Deutschland darstellt.














