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Cannabis in Thailand – die Uhren wurden zurückgestellt

Es klang wie ein Wunder, als man in Thailand begann sich von einer äußerst restriktiven Cannabispolitik hin zu einem vernunftbasierten Umgang mit der traditionellen Pflanze zu bewegen. Erst die medizinische Freigabe in speziellen Fällen im Dezember 2018, dann die Öffnung eines Marktes für jeden Erwachsenen im Juni 2022, der jedoch speziellen Regulierungen unterlag.

Da daraufhin das Gesetz, welches mit zu vielen Lücken versehen war, von der entstehenden Branche falsch ausgelegt werden konnte und Geschäfte wie Pilze aus dem Boden sprossen, zog dies den Ärger in einer neu gewählten Regierung auf sich. Weder wurden die geforderten THC-Grenzwerte der gehandelten Cannabissorten eingehalten, noch existierte der medizinische Charakter, wenn in touristischen Gefilden in bunten Cannabisshops die berauschende Ware den Besitzer wechselte.

Wohl auch, weil sich der Schmuggel in andere Länder erhöhte und in Medien stärker beleuchtet wurde, kündigte der derzeitige Gesundheitsminister Somsak Thepsutin schon vor einigen Monaten an, dem Sektor den Hahn abzudrehen und Cannabis als Betäubungsmittel erneut kriminalisieren zu wollen.

Trotz heftiger Proteste der Befürworter und in der Branche beschäftigen Personen, wurde das neue Gesetz, das Cannabis einzig zu medizinischen Zwecken erlaubt, am 25.06.2025 in der Royal Gazette veröffentlicht, was die offizielle Neueinstufung von Cannabisblüten als kontrolliertes Heilkraut bedeutet.

Die Verordnung, die damit sofort in Kraft trat, verbietet somit nun die Werbung, den allgemeinen Verkauf und den Freizeitkonsum von Cannabis in Thailand und stürzt die bis dahin wachsende Industrie in eine Krise.

Was verlangen die neuen Regeln von Geschäftsleuten?

Während in den letzten Jahren nicht immer wie gewünscht nach den eigentlich geplanten Regeln mit Cannabis gehandelt und umgegangen wurde, zieht das neue Gesetz klare Linien und verlangt von Handeltreibenden eindeutige Voraussetzungen, will man weiterhin in der Branche tätig sein.

So müssen die Lizenznehmer den zuständigen Behörden die Herkunft, die Verwendung und den Bestand von jeglichen Cannabisprodukten Bescheid geben und Exporteure müssen bei der Genehmigungsbehörde jedes Ausfuhrgeschäft melden. Einzelhändler und Verarbeiter dürfen Cannabis nur an lizenzierte Empfänger gemäß Abschnitt 46 des Gesetzes verkaufen.

Das gesamte verkaufte Cannabis muss aus zertifizierten Quellen mit genehmigten Anbau- und regulierten Erntestandards stammen, während der Verkauf von Cannabis zum Rauchen in Geschäftsräumen verboten ist – es sei denn, es wird seitens zertifizierter medizinischer Fachkräfte verwendet.

Cannabis darf dazu nicht über Verkaufsautomaten oder Online-Plattformen verkauft werden. Werbung für Cannabis zu kommerziellen Zwecken ist auf allen Plattformen verboten und der Verkauf in religiösen Stätten, Wohnheimen, öffentlichen Parks, Zoos und Vergnügungsparks ist verboten.

Wie geht es weiter?

Der Verkauf von Cannabis für medizinische Zwecke ist nach der veränderten Gesetzeslage jedoch weiterhin erlaubt, wenn es von zugelassenen Ärzten verschrieben wird. Dazu gehören alle Mediziner die nach dem Sinne des Gesetzes medizinische Berufe ausüben.

Also auch traditionelle thailändische Mediziner, integrierte traditionelle thailändische Mediziner und Volksärzte im Sinne des Gesetzes über traditionelle thailändische Medizin, chinesische Mediziner im Sinne des Gesetzes über medizinische Berufe, Apotheker im Sinne des Gesetzes über pharmazeutische Berufe und Zahnärzte im Sinne des Gesetzes über zahnärztliche Berufe.

Die neue Verordnung schreibt auch vor, dass Unternehmen, die bereits vor der Ankündigung zugelassen wurden, die aktualisierten Vorschriften einhalten müssen. Wie Gesundheitsminister Somsak Thepsutin gegenüber CNN klarstellte, muss eindeutig verstanden werden, dass Cannabis einzig für den medizinischen Gebrauch erlaubt wäre.

Damit scheint es vorprogrammiert, dass viele der geschätzten 18.000 Cannabisshops in Zukunft mit großen Problemen konfrontiert werden, die ihre Handlungsfähigkeiten sehr einschränken und ihr Überleben gefährden.

Zu den Strafen für Verkäufer, die gegen die neuen Vorschriften verstoßen, zählen bis zu einem Jahr Gefängnisaufenthalt oder eine Geldstrafe von 20.000 Baht. Das Gesundheitsministerium schlägt aber bereits eine neue Gesetzgebung vor, die diesen Betrag noch deutlich erhöhen würde.

Wie reagieren die Betroffenen?

Wie der Guardian berichtet, ist die Entwicklung für Beschäftigte und Unternehmer in der Cannabis-Branche existenzgefährdend. Die Unternehmerin Natthakan Punyathanaworakit empfand die Ankündigung als Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Das Geschäft sei bereits zuvor schwierig gewesen, doch nun sah sie sich gezwungen einen von ihren drei Cannabisläden in Bangkok zu schließen.

Die meisten der registrierten Geschäfte würden schließen und viele der bislang legal arbeitenden Händler könnten stattdessen recht wahrscheinlich in den Untergrund abwandern. Viele Besitzer von Cannabisläden sind der Meinung, dass das Thema zu einem Politikum geworden ist und dass die Änderungen insbesondere kleinere Geschäfte auf unfaire Weise verdrängen werden, da sie es sich oft nicht leisten können, einen jetzt benötigten Mediziner einzustellen.

Gesundheitsminister Somsak Thepsutin hält die Reformen hingegen für notwendig, um die öffentliche Sicherheit zu verbessern und junge Menschen und Kinder besser schützen zu können.

Die im Cannabissektor arbeitende Unternehmerin Chokwan Chopaka glaubt daran jedoch nicht und befürchtet, dass die neuen Vorschriften die Sicherheitsstandards nicht verbessern werden. Schon frühere Vorschriften wurden schließlich ihrer Meinung nach nicht richtig durchgesetzt. „Wenn es keine Kontrollen gibt, kann ich einfach nicht konkurrieren“, so Chokwan Chopaka.

Für kleine Unternehmen, die sich an die Vorschriften halten wollen, wären die neuen Regeln einfach zu kostspielig, sodass viele Cannabisläden in Zukunft geschlossen werden könnten. „Es sind die kleinen Leute – die kleinen Läden … Familienbetriebe, in denen die Frau beim Trimmen hilft, während der Mann anbaut – sie sind diejenigen, die leiden werden“.

Auswirkungen bereits spürbar

Dass die Veränderung der Gesetzeslage bereits bei den Geschäftstreibenden spürbar ist, zeigt sich an einem Beispiel von Cannabisshops in der von Touristen viel besuchten Kaoh San Road in Bangkok. Weniger Kunden kämen in die Geschäfte seit dem Umschwung und Touristen hätten einhergehend mit den herrschenden Unsicherheiten Angst bekommen.

Der neue Umgang werde mit Sicherheiten Auswirkungen auf die Gewinne haben und auch hier sehen sich Händler der Gefahr gegenüber, im schlimmsten Fall ihre Geschäfte schließen zu müssen. Nach der Legalisierung hatte jeder die Möglichkeit, versuchen zu können, damit Geld zu verdienen.

Man konnte einen Laden eröffnen, man konnte Karriere machen, sagt der 28-jährige Oler SilaSilarat. „Und dann ändern sie es“. Er verstehe zwar die Gründe für die Reformen, fürchtet aber um die kleinen Landwirte, die in den Anbau der Pflanze investiert haben und nun ebenfalls neue Zertifikate erwerben müssen. „Sie haben viel Erfahrung, aber sie können nicht mehr länger anbauen, weil sie mit den großen Unternehmen nicht konkurrieren können“, so der Mitarbeiter eines Cannabisshops auf der Partymeile.

Gesundheitsminister Somsak hingegen, sieht in der Veränderung auch eine Chance für die Branche, die in einem vom thailändischen Handelsministerium veröffentlichter Bericht aus dem Jahr 2022 schätzte, dass das Geschäft mit Cannabis bis 2025 einen Wert von 1,2 Milliarden Dollar erreichen könnte. Doch Somsak ist der Meinung, dass es derzeit keinen klaren Schätzwert der Branche gebe, da die Transaktionen bislang nicht richtig reguliert worden wären.

Zwei Blickwinkel auf das neue Thailand

Die Einnahmen mögen vielleicht zunächst sinken, aber in Anbetracht des sozialen Schadens, der durch den unregulierten Konsum verursacht wird, ist die Änderung notwendig … verantwortungsvolle, gesetzestreue Unternehmen werden stabil bleiben und weiterarbeiten“, so der Gesundheitsminister Thailands.

Ein weiterer Geschäftsinhaber wird hingegen dahingehend zitiert, dass jeder Mensch wisse, dass ärztliche Atteste käuflich seien, sodass die Entwicklung nur eine neue Einnahmequelle für bestimmte Ärzte darstellen würde.

Dazu haben im vergangenen Monat Beamte der Abteilung für traditionelle und alternative thailändische Medizin zusammen mit den zuständigen Behörden 1.565 Cannabisverkaufsstellen kontrolliert. Das Ergebnis war laut NationThailand:

– 82 Lizenzen wurden ausgesetzt
– 5 Lizenzen wurden wegen schwerwiegender Verstöße widerrufen
– 7 Personen wurden wegen unerlaubter Verkäufe strafrechtlich verfolgt
– 209 Verkäufer haben es versäumt, Betriebsberichte vorzulegen
– 44 Verkäufer haben illegal für Cannabisprodukte geworben
– In 4 Fällen wurde vor Ort in den Räumlichkeiten geraucht
– In 1 Fall ging es um den Verkauf ohne Rezept
– In 3 Fällen ging es um den Online-Verkauf
– Bei drei Razzien wurden bei 13 Personen verdächtige Cannabisknospen gefunden

Gesundheitsminister Somsak Thepsuthin sagt zudem, er sei nicht besorgt über einen angemeldeten Protest, der von Thailands Cannabis Future Network und dessen Unterstützern geplant wurde, die zusammen am 16. Juli eine Kundgebung vor dem Gesundheitsministerium halten wollen. In einem Gespräch mit Reportern bekräftigte Somsak, dass sich die Regierung voll und ganz der strikten Durchsetzung der Cannabisgesetze in Übereinstimmung mit den Vorschriften des Ministeriums für medizinischen Cannabis verschrieben hat.

Die Abteilung für traditionelle und alternative thailändische Medizin arbeitet derzeit mit dem Verband der Cannabisunternehmen zusammen, um die Durchsetzung mit den Zielen der öffentlichen Gesundheit in einen Einklang zu bringen.

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